Berlin, Wiesbaden, 24.05.2022 – Das Berliner Fintech-Start-up bonify (Forteil GmbH) und die SCHUFA Holding AG arbeiten im Rahmen einer Vertriebskooperation zusammen. Was bedeutet das für beide?
Die SCHUFA und bonify starten eine Kooperation – ungewöhnlich schon deswegen, weil man sich zuletzt vor Gericht traf, als die SCHUFA behauptete, bonify würde sich als SCHUFA ausgeben und kostenlose Auskünfte anbieten. Auskünfte ja, SCHUFA ist man aber nicht. Man einigte sich letztendlich ohne Gericht. Neuer SCHUFA-Vorstand, mehr Transparenz und andere Wege. Doch wer ist dieses bonify und was bedeutet die Kooperation für das Start-up?
Wer ist bonify?
Das FinTech-Startup bonify ermöglicht Nutzern Transparenz durch Einsicht in ihre Bonitäts- und Finanzdaten. Nutzer können mit bonify ihre Kreditwürdigkeit jederzeit kostenfrei online überprüfen. Darüber hinaus bietet bonify verschiedene Finanzmanagement-Tools zur Analyse und Optimierung der eigenen Finanzsituation.
Passend dazu erhalten Nutzer auf die eigene Bonität zugeschnittene Produktangebote – dazu zählen Kredite sowie Verbrauchertarife für Gas, Strom oder DSL.
Weitere Produkte sind u.a. die „Mieterauskunft“ für die Wohnungssuche, die gebührenfreie bonify-MasterCard Gold und die „FinFitness“ zur Einschätzung und aktiven Verbesserung der finanziellen Gesundheit. bonify wurde 2015 in Berlin gegründet und wird von Dr. Andreas Bermig (Gründer) geführt. Renommierte Investoren, z.B. Experian, Mouro Capital, Mosaic Ventures, Ribbit Capital, Index Ventures und DN Capital sowie die Gründer von Zalando und Raisin haben bisher in bonify investiert.
bonify ist ein durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener und beaufsichtigter Kontoinformationsdienst.
Wer war eigentlich diese SCHUFA?
Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung – SCHUFA – ermöglicht Menschen, unkompliziert, sicher und günstig ihre finanziellen Wünsche zu erfüllen. Sie reduziert für Anbieter von Krediten, Waren und Dienstleistungen die Risiken eines Zahlungsausfalls, was Geschäfte zu guten Konditionen möglich macht.
Die SCHUFA ist ein wichtiger Teil unserer Wirtschaft. Mit modernster Technologie werden täglich rund 510.000 Anfragen analysiert und bewertet. Sie erstellen Bonitäts-Scores und bieten Lösungen an, mit denen sich Menschen und Unternehmen vor Identitätsdiebstahl und Betrug schützen können.
Die SCHUFA beschäftigt an insgesamt sieben Standorten rund 900 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2021 rund 249 Millionen Euro Umsatz.
Was will die SCHUFA mit bonify kooperieren?
Offiziell:
„Mit bonify erweitern wir unser Vertriebsnetzwerk. bonify überzeugt durch seine Kundenansprache sowie nutzerfreundliche App und erreicht eine Zielgruppe, die sich für Finanzthemen rund um Kredite und Zahlungsverhalten interessiert. Von der Kooperation versprechen wir uns auch Impulse für die Weiterentwicklung unserer Produkte”
Tanja Birkholz, Vorstandsvorsitzende der SCHUFA Holding AG
Neben bonify zählen im Privatkundengeschäft weitere rund 100 Mitglieder zum Kooperationsnetzwerk der SCHUFA, darunter etwa Immobilienscout24, Immonet, Immowelt, zahlreiche Sparkassen sowie Post- und Raiffeisenbanken.
„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der SCHUFA. Jetzt können wir die relevantesten Bonitätsprodukte im deutschen Markt auf unserer Plattform anbieten. Davon werden unsere Nutzerinnen und Nutzer profitieren.“
Andreas Bermig, CEO von bonify
Nach meinem dafürhalten
Möchte die SCHUFA hier mehr als Kooperieren. Natürlich möchte man erstmal eine weitere digitale Verkaufstelle für den eigenen BonitätsCheck schaffen. Das ist ein einfacher und kalkulierbarer „Win“ für beide. Denn bonify bietet bereits eine Mieterauskunft an und hat die Nutzer. Dazu das Standing der SCHUFA, das Produkt wird direkt funktionieren.
Vermutlich möchte die SCHUFA noch mehr mit bonify arbeiten. Das Berliner Fintech wird schon lange als „SCHUFA-Alternative“ gefeiert. Über 1 Million Nutzer hat bonify und sie klären transparent über die Bonität auf. Darum sind sie überhaupt erst angetreten und darum waren sie der alten SCHUFA ein Dorn im Auge.
Kommt da noch mehr
Mit Tanja Birkholz und dem neuen Transparenzversprechen der SCHUFA ist bonify ein perfekter Kooperationspartner. Es würde mich wundern, wenn SCHUFA und bonify in Zukunft nicht noch mehr kooperieren würden.
Für bonify wäre es toll, wenn mehr Produkte der SCHUFA in die App einfließen würden. Wenn bonify den SCHUFA-Score in der App zeigen könnte – wie es meineSCHUFA tut. Allein das bessere Standing der bonify Brand und wie beliebt das Unternehmen verschiedenste Dinge machen kann. Eine Bonitätsmap über das Berliner U-Bahn-Netz legen – ohne Angst vor schlechter Presse.
Bei Scores und Krediten von einem Match sprechen, den bonify ebenfalls in Sekunden finden kann. Selbst Kredite, Handy und „Alles ohne SCHUFA“ bieten sie an, einfach so. Und da liegt wahrscheinlich das stärkste Problem. Mit der Kundenorientierung und Berliner Leichtigkeit macht bonify Dinge.
Sie gucken auf dein Konto und speichern deine PIN (wenn du willst natürlich nur). Sie analysieren deine Ausgaben und warnen, wenn der Dispo droht. bonify schickt dir Pushnachrichten, keine Briefe. Sie informieren, wenn dein Score sich ändert und bieten unzählige Produkte – per Mail und Push – an. Das alles kann man sich bei der SCHUFA nicht vorstellen. Da kommt die Selbstauskunft per Post und dauert 5-7 Werktage.
Erstmal ist die Kooperation vermutlich ein Abtasten. Meiner Meinung nach kann das etwas ganz Großes werden – wenn bonify in einem gewissen Maße erwachsen wird und die SCHUFA nicht zu viel bevormunden möchte. Wir bleiben dran!
Update: Sogar zu meiner Überraschung, die SCHUFA hat bonify gekauft.

