Mehr als nur die SCHUFA: Ein Überblick über Deutschlands Auskunfteien

Veröffentlicht am: September 8, 2025 Von: Bonitätsguru

Wenn es um deine Kreditwürdigkeit geht, fällt den meisten von uns zuerst die SCHUFA ein. Das ist kein Wunder – die SCHUFA Holding AG in Wiesbaden ist mit Abstand die größte und bekannteste Auskunftei in Deutschland. Ihr Name steht nahezu synonym für Bonitätsprüfungen. Doch wusstest du, dass es neben der SCHUFA noch eine Reihe weiterer Auskunfteien gibt, die Daten über Verbraucher sammeln und einen Bonitätsscore berechnen?

Auskunfteien mehr als SCHUFA
Bonitäts-Auskunfteien im Vergleich: SCHUFA und Alternativen in Deutschland

Viele Unternehmen – von Banken über Onlineshops bis zu Handyprovidern – verlassen sich nicht allein auf SCHUFA-Daten. In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen tauchen oft auch andere Namen auf. In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an, welche Auskunfteien es in Deutschland gibt, wie sie arbeiten und welche Rolle sie für deine Bonität spielen.

Es gibt „mehr als nur die SCHUFA“ – und es lohnt sich zu verstehen, wer diese Alternativen sind und wie sie ticken. Jedoch ist die Schufa der Platzhirsch und allen anderen weit voraus. Experian holt auf und „übernimmt einen Laden nach dem anderen“. Experian ist die größte Auskunftei in den USA und vermutlich der Welt. Sie sucht ihren Weg nach Deutschland, er über bonify, dann auch Arvato und jetzt durch die Übernahme von Boniversum.

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    Was macht eine Auskunftei und warum gibt es mehrere?

    Eine Auskunftei (auch Wirtschaftsauskunftei oder Bonitätsauskunftei genannt) ist ein Unternehmen, das Daten über die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen und Firmen sammelt. Daraus berechnet sie einen Wert, der die Wahrscheinlichkeit angibt, dass Rechnungen und Kredite pünktlich bezahlt werden – den sogenannten Score-Wert.

    Typischerweise speichern Auskunfteien Positivdaten (z.B. bestehende Konten, laufende Verträge, kreditorische Verpflichtungen) und Negativdaten (z.B. Zahlungsausfälle, Mahn- oder Inkassoverfahren). Anhand dieser Informationen ordnen sie dich statistisch in eine Vergleichsgruppe ein und schätzen dein Zahlungsverhalten ein. Hast du etwa mehrere Kreditkarten und immer pünktlich bezahlt, kann das als positiv gelten. Bleiben Rechnungen unbezahlt und landen beim Inkasso, führt das zu negativen Einträgen.

    Aber warum gibt es in Deutschland nicht nur eine einzige Auskunftei, sondern gleich mehrere? – Nun, Bonitätsprüfungen sind ein Geschäftsmodell. Unternehmen wie Banken, Versandhändler, Telefongesellschaften oder Vermieter haben reges Interesse an verlässlichen Bonitätsdaten, um das Ausfallrisiko bei Verträgen abzuschätzen. Wo Nachfrage ist, entstehen auch Wettbewerber.

    Unterschiedliche Auskunfteien setzen teils verschiedene Schwerpunkte bei der Datensammlung: Alle großen beziehen Informationen von Banken und Telekommunikationsanbietern sowie aus öffentlichen Verzeichnissen (z.B. Schuldnerverzeichnisse der Amtsgerichte, Insolvenzregister). Einige arbeiten eng mit bestimmten Branchen zusammen – zum Beispiel melden viele Telekommunikationsfirmen ihre Zahlungsausfälle an eine eigene Auskunftei. Andere wurden historisch von Handelsunternehmen oder Versicherungen mitbegründet. So hat sich über die Zeit ein Markt mit mehreren Auskunfteien entwickelt. Für uns Verbraucher bedeutet das: Deine Bonitätsinformationen könnten an verschiedenen Stellen gespeichert sein, nicht nur bei der SCHUFA. Es kann also vorkommen, dass zum Beispiel eine Bank vor Kreditvergabe vor allem die SCHUFA-Auskunft prüft, während ein Mobilfunkanbieter zusätzlich bei einer anderen Auskunftei nachfragt.

    Hinweis: Alle Auskunfteien unterliegen strengen Datenschutzregeln (DSGVO und Bundesdatenschutzgesetz) und dürfen nur bei berechtigtem Interesse Auskünfte erteilen.

    Außerdem hat jeder das Recht, einmal jährlich kostenlos eine Selbstauskunft bei jeder Auskunftei zu beantragen. Das solltest du nutzen – so behältst du den Überblick und kannst falsche oder veraltete Einträge korrigieren lassen. Eigentlich hat jeder das Recht auf mehere kostenlose Auskünfte – „in angemessenen Abständen“ und das funktioniert auch problemlos.

    Wie funktioniert der Bonitätsscore?

    Alle Auskunfteien berechnen aus den gesammelten Daten einen sogenannten Score. Der Score ist eine Zahl oder Prozentwert, der deine Kreditwürdigkeit ausdrückt. Je höher dieser Wert, desto besser deine Bonität – jedenfalls grundsätzlich. Allerdings nutzt jede Auskunftei eigene Skalen und Rechenmodelle, was den Vergleich schwierig macht. Schauen wir uns den wichtigsten Score an:

    • SCHUFA-Score: Die SCHUFA arbeitet mit Prozentwerten. Ein Wert von z.B. 95 % bedeutet, vereinfacht gesagt, dass von 100 vergleichbaren Personen 95 ihren Verpflichtungen ordnungsgemäß nachkommen. Über 95 % gilt als gut, über 97 % als sehr gut. Fällt der Score unter ~90 %, bewegt man sich bereits im riskanten Bereich. Absolute 100 % erreicht niemand, ein kleines Restrisiko bleibt immer.

    Andere Auskunfteien verwenden ähnlich konzipierte Scores, teils Prozentwerte, teils eigene Punktesysteme. Das genaue Rezept der Berechnung ist jeweils ein streng gehütetes Geschäftsgeheimnis. Bekannt ist aber, welche Faktoren generell eine Rolle spielen: Zum Beispiel fließen dein bisheriges Zahlungsverhalten, bestehende Kreditverpflichtungen, die Anzahl deiner Konten und Kreditkarten, und natürlich Negativmerkmale (wie Mahnbescheide, Inkassoverfahren) in den Score ein.

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    Positivmerkmale – also z.B. lange bestehende vertragsgemäß geführte Konten oder zurückgezahlte Kredite – können den Score verbessern. Dinge wie Einkommen, Beruf oder Familienstand dürfen in Deutschland hingegen nicht direkt im Score landen.

    Eine Besonderheit: Haben Auskunfteien kaum persönliche Daten zu einer Person, ziehen sie manchmal statistische Merkmale des Wohnorts heran (Geo- oder Kreditscoring nach Wohnumfeld). Einfach gesagt: „Sag mir, wo du wohnst, und ich sage dir, wie kreditwürdig du bist.“

    Das klingt heikel – und das ist es nicht unbedingt. Wenn z.B. über dich persönlich nichts bekannt ist, du aber in einer Gegend wohnst, in der viele zahlungsunfähige Haushalte gemeldet sind, kann deine Adresse deinen Score verschlechtern – sagt man. Jedoch ist dein Score (weil die Auskunftei nichts über dich weiß ohnehin schlecht). Dein Score würde also schlecht bleiben oder sich verbessern.

    Das lässt sich aber schwer erklären, so passiert dieses GEO-Scoring bei der SCHUFA nicht, die anderen Auskunfteien machen oft allerdings nichts anderes, als GEO- und Personendaten zu nutzen. Das Gesetz sagt: Die Region darf den Score nicht zu mehr als 1/3 beeinflussen. Also Region, Alter und Geschlecht – und schon ist es genau 1/3 und nicht mehr.

    Auskunfteien – Übersicht und Vergleich

    Hier findest du noch eine Übersichtstabelle der wichtigsten Auskunfteien in Deutschland mit ein paar Kernfakten:

    AuskunfteiDatenbestandDatenWebseite für Selbstauskunft
    SCHUFA Holding AG~68,7 Mio. Personen
    1,128 Milliarden Einzeldaten
    Größte Auskunftei; speichert Positiv- und Negativdaten; Score als Prozentwert (≥95 % = gut).Link zur Schufa-Datenkopie

    bonify.de (gekauftes Unernehmen zum kostenlosen digitalen Einblick)
    Creditreform BoniversumNur noch für UnternehmenTeil der Creditreform-Gruppe.
    Selbstauskunft für Unternehmen (Creditreform)

    Experian verstärkt Marktposition in Deutschland durch strategische Partnerschaft mit Creditreform und Boniversum-Übernahme – daher Selbstauksunft für Privatkunden jetzt bei Experian
    CRIF (früher CRIF Bürgel) (CRIF GmbH)~56 Mio. Personen in DE
    120 Millionen Einzeldaten
    Zusammenschluss aus Bürgel & Deltavista (seit 2017); v.a. Negativdaten (gerichtliche Register, Inkasso); internationaler Konzern (CRIF, Italien).Crif Selbstauskunft für Privtkunden
    Informa solutions (Infoscore/ (Experian)~55 Mio. Personen in DE
    100 Millionen Einzeldaten

    nach der Boniversum-Übernahme vermutlich mehr, Boniversum hatte 61 Mio Personen in DE mit 162 Millionen Einzeldaten
    Ehemals Arvato; nur Negativdaten (Inkasso, Zahlungsverzug); gehört zur Experian-Gruppe. Einst kleinerer Marktanteil der stetig wächst, zuletzt durch Übernahme von Boniversum)Experian Selbstauskunft für Privatpersonen
    Regis24~40 Mio. Personen in DEFokus auf Adressprüfung und Negativmerkmale; viele Datensätze aus öffentlichen Registern; wichtig für Identitätschecks.Regis24 Selbstauskunft

    Jetzt noch einmal etwas detaillierter im Einzelnen:

    SCHUFA – der Platzhirsch unter den Auskunfteien

    Beginnen wir mit der SCHUFA, weil sie nun mal der bekannteste Vertreter ist. Die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“, so der ursprüngliche Name, existiert seit 1927.

    Die SCHUFA Holding AG mit Sitz in Wiesbaden verfügt über Daten zu fast 68,7 Millionen Menschen in Deutschland – praktisch nahezu jede erwachsene Person. Dazu kommen Millionen von Unternehmen, die erfasst sind. Damit ist die SCHUFA mit Abstand Marktführer. Sie wird von einem Konsortium aus Banken, Sparkassen, Handelsunternehmen und anderen Branchenriesen getragen, die natürlich ein großes Interesse an zuverlässigen Bonitätsauskünften haben.

    Daten und Arbeitsweise: Die SCHUFA speichert sowohl Positiv– als auch Negativdaten (sogenannte Schufa-Einträge). Das heißt, es steht nicht nur drin, wo du vielleicht Schulden hast, sondern auch, welche laufenden Verträge und Kredite du sauber bedienst.

    Beispielsweise meldet eine Bank der SCHUFA, wenn du ein neues Girokonto eröffnest oder einen Kredit aufnimmst – aber auch, wenn du diesen Kredit vertragsgemäß zurückzahlst. Händler oder Mobilfunkanbieter fragen häufig bei Vertragsabschluss deine SCHUFA an und melden ggf. Zahlungsstörungen zurück.

    So sammelt sich bei der SCHUFA im Laufe der Zeit ein ziemlich vollständiges Bild deiner Kreditbiographie an. Insgesamt verwaltete die Schufa etwa 1,128 Milliarden Einzelinformationen über Privatpersonen. Aus all diesen Daten errechnet sie einen Score, den sie an ihre Vertragspartner übermittelt.

    SCHUFA-Score und Bedeutung: Für Verbraucher ist vor allem der Basisscore interessant, den man bei der Selbstauskunft oder bei bonify erfahren kann. Er wird als Prozentwert angegeben.

    Wie oben beschrieben, sind Werte über 97 % ausgezeichnet. Denn das bedeutet nichts anderes als: Die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Rechnungen bezahlen wirst, liegt bei 97%. Du kannst nie die 100% erreichen, das ist statistisch nicht möglich. Aber generell gilt: Je höher der Score, desto besser.

    Besonderheiten: Die SCHUFA stand in der Vergangenheit oft in der Kritik, weil ihre Scoring-Formel nicht offengelegt ist und Verbraucher Fehler nur schwer erkennen konnten. Inzwischen gibt es aber Initiativen für mehr Transparenz. Seit 2022 ist die Schufa die Mutter von bonify. Ein Portal, wo du deinen Score online einsehen und bestimmte Faktoren nachvollziehen kannst (wenn auch nicht die komplette Formel).

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    Als Marktführer ist die SCHUFA tonangebend – daher ist interessant, dass sie gerade 2025 einen neuen Score eingeführt hat, der schon von ersten Partnern genutzt wird, in Zukunft generell genutzt werden soll und total transparent ist. Mal sehen, ob die anderen hier nachziehen (können).

    Creditreform Boniversum – die große Alternative aus der Wirtschaft

    An zweiter Stelle in Deutschland rangiert Creditreform. Diese Auskunftei macht im Moment nur noch Unternehmensauskünfte. Früher mit Boniversum auch Auskünfte für Privatpersonen und sie waren der ursprüngliche erste Auskunftei-Partner von bonify. Heute arbeitet Creditreform mit Experian zusammen und Boniversum wurde von Experian übernommen (März 2025).

    Interessanterweise war Boniversum die erste Auskunftei, die ihren Score bei bonify anzeigen ließ. Später wurde Experian ein Investor von bonify. Im Anschluss kaufte die Schufa bonify und kurz darauf zog sich Boniversum zurück und nun ist die Auskunftei bei Experian angesiedelt.

    Creditreform ist Teil der Creditreform-Gruppe, einem Verbund, der schon seit 1879 Wirtschaftsauskünfte erteilt – ursprünglich vor allem über Firmen.

    Creditreform ist ein echter Player bei Unternehmensauskünften. Eine Auskunftei für Privatpersonen wirst du hier nicht mehr finden, da diese jetzt komplett bei Experian liegt.

    CRIF Bürgel – zusammengesetzter Riese mit internationalen Wurzeln

    Vielleicht hast du schon mal von Bürgel gehört – einer Auskunftei, die es in Deutschland seit über 130 Jahren gab. Aus Bürgel Wirtschaftsinformationen ist inzwischen CRIF geworden. Hier steckt ein Zusammenschluss dahinter: 2016 wurde Bürgel von der italienischen Unternehmensgruppe CRIF übernommen und mit der bereits von CRIF aufgekauften Deltavista GmbH fusioniert. Das neue Unternehmen firmierte zunächst als CRIF Bürgel GmbH, mittlerweile oft nur noch als CRIF GmbH in Deutschland. CRIF verfügt laut eigenen Angaben und Tests über Daten zu rund 56 Millionen Personen in Deutschland – also ebenfalls ein Schwergewicht.

    Daten und Ausrichtung: Historisch gesehen sammelte Bürgel vor allem Negativeinträge. In der Vergangenheit wurden nur Negativdaten gespeichert, z.B. Zahlungsverzüge und Insolvenzen. Positive Vertragsdaten wurden eher nicht gemeldet. Ob CRIF das Konzept geändert hat? Offiziell betont CRIF heute, man nutze alle verfügbaren Quellen, um umfangreiche Bonitäts- und Identitätsprüfungen anzubieten.

    Dennoch liegt der Schwerpunkt wohl weiterhin auf Warnsignalen: Schuldnerverzeichnis-Einträge, Inkasso-Fälle, Gerichtsdaten und Ähnliches fließen stark in die Bewertung ein. Interessant ist, dass CRIF neben Bonitätsdaten auch Identitäts- und Betrugsprävention anbietet – zum Beispiel Adressverifizierungen. So nutzen viele E-Commerce-Anbieter CRIF-Dienste, um sowohl Bonität als auch Identität eines Neukunden zu checken.

    Score-Modell: CRIF berechnet natürlich ebenfalls Scorewerte über Verbraucher. Details über die Skala kommuniziert das Unternehmen nicht öffentlich auf der Webseite. Da Bürgel früher einen Index ähnlich dem Creditreform-Score kannte (es gab einen „Bürgel-Score“ in Punkten), ist anzunehmen, dass CRIF ebenfalls ein Punktesystem verwendet.

    Wichtig zu wissen: Dein CRIF-Score kann durchaus von Schufa oder Boniversum abweichen, weil CRIF teils andere Daten hat (z.B. mehr aus deinem Wohnumfeld oder aus bestimmten Branchen). Die Datenbasis von ehemals Deltavista (auch das waren eher Negativmerkmale) ist ebenfalls Teil von CRIF. Ergebnis: Ein CRIF-Report entscheidet z.B. mit, ob du bei manchen Online-Shops per Rechnung zahlen darfst oder nicht.

    Besonderheiten: CRIF ist international tätig (Weltweit, Hauptsitz in Bologna) und positioniert sich in Deutschland als modernes datengetriebenes Unternehmen. Für Verbraucher bedeutet das einerseits, dass CRIF eventuell Datenpunkte hat, die Schufa & Co. nicht haben – andererseits aber auch, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Wenn man eine Selbstauskunft bei CRIF Bürgel anfordert, erhält man Einsicht in die gespeicherten Merkmale. Viele wissen gar nicht, dass es dieses Unternehmen gibt, bis sie vielleicht in einem Schreiben lesen „…haben wir Auskunft bei CRIF Bürgel eingeholt“.

    Jetzt weißt du: Dahinter steckt die Fusion aus Bürgel, Deltavista und CRIF – also ein echter Big Player neben Schufa und Creditreform? Datentechnisch – speziell was Einzeldaten angeht, ist auch Crif nur Nebendarsteller.

    Experian (Infoscore / Boniversum) – ehemals kleinerer Anbieter in DE mit spezialisiertem Portfolio und wachsend

    Experian – oft immernoch Arvato Infoscore genannt – ist eine weitere Auskunftei in Deutschland. Sie war ursprünglich ein Tochterunternehmen des Bertelsmann-Konzerns (Arvato), gehört aber mittlerweile zur Experian-Gruppe, einem weltweit tätigen Kreditbüro. Im Vergleich zu Schufa, Boniversum und CRIF ist infoscore deutlich kleiner: Es liegen Daten von ca. 8 Millionen Personen bei infoscore vor. Das klingt immer noch viel, ist aber nur ein Bruchteil der Bevölkerung.

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    Daten und Besonderheiten: Infoscore konzentriert sich vor allem auf Negativinformationen. Das heißt, hier werden in erster Linie Fälle erfasst, in denen Verbraucher Zahlungsprobleme hatten. Viele dieser Daten stammen aus Inkassoverfahren oder werden von bestimmten Branchen gemeldet. So ist infoscore z.B. in der Versicherungs- und Energiewirtschaft aktiv und verarbeitet dort Zahlungserfahrungen. Wenn du etwa mal deine Handyrechnung oder einen Ratenkauf nicht bezahlt hast und das Ganze bei einem Inkassobüro landet, kann es sein, dass dieses den Vorgang an infoscore meldet (neben ggf. anderen Auskunfteien). Positivdaten wie pünktlich gezahlte Kredite werden hier kaum berücksichtigt. Entsprechend fällt auch der Score tendenziell entweder gut oder schlecht aus – mittlere Bewertungen sind selten, da meist entweder „kein Eintrag = alles okay“ oder „ein Negativmerkmal = hohes Risiko“ vorliegt.

    Wer nutzt Experian? Einige Unternehmen holen gezielt eine infoscore-Auskunft ein, etwa zur Betrugsprävention. Da infoscore zu Experian gehört, fließen diese Daten auch in internationale Scoremodelle ein. Beispielsweise kann es bei großen Online-Bezahldiensten oder Payment Service Providern sein, dass sie neben Schufa auch Experian-Daten nutzen, um das Risiko abzuschätzen. Insgesamt bleibt infoscore aber ein eher kleiner Spieler im deutschen Markt. Für dich heißt das: Die Wahrscheinlichkeit, dass ausschließlich infoscore über dich entschieden hat, ist gering. Dennoch – wenn du in der Vergangenheit Schwierigkeiten hattest, kann ein Eintrag bei infoscore vorhanden sein, der z.B. bei bestimmten Verträgen auffällt. Daher schadet es nicht, einmal im Jahr auch bei Experian infoscore eine Selbstauskunft zu ziehen, um auf Nummer sicher zu gehen (das geht etwa über selbstauskunft.com bequem online).

    Übernahme von boniversum im März 2025, das globale Data-, Analytics-, und Technologieunternehmen, hat eine Kooperationsvereinbarung mit Creditreform unterzeichnet, dem international agierenden und in Deutschland führenden Wirtschaftsinformations- und Inkassounternehmen. Diese Vereinbarung umfasst eine Technologie- und Datenallianz, eine Vertriebspartnerschaft sowie die Übernahme der Creditreform-Tochter Boniversum. Die Partnerschaft zwischen dem internationalen Technologiekonzern Experian, der mit einer Marktkapitalisierung von 40 Milliarden Euro in 32 Ländern präsent ist, und dem deutschen Marktführer Creditreform führt zu einer deutlichen Verschiebung der Kräfteverhältnisse auf dem deutschen Markt für Finanz-, Daten- und Technologiedienstleistungen.

    Boniversum war spezialisiert auf Verbraucherbonität und hat laut Studien Daten zu etwa 61 Millionen Personen in Deutschland. Damit kam Boniversum von der Abdeckung her fast an die Schufa heran. Viele Verbraucher haben aber von „Boniversum“ noch nie gehört, was zeigt, wie stark die Marke SCHUFA dominiert. Auch ist die Anzahl der Einzeldaten bei Boniversum vergleichsweise gering. Da die Schufa einfach mehr Partner hat. Der Unterschied ist gravierend! 1,128 Milliarden Einzeldaten bei der SCHUFA stehen gegen gerade mal 162 Millionen Einzeldaten bei Boniversum.

    Weitere Auskunfteien: Regis24, Experian und Co.

    Neben den „großen“ (SCHUFA, Experian, CRIF und zum Teil auch Creditreform) gibt es noch ein paar weitere Auskunfteien in Deutschland, die eher als Nischenanbieter gelten – aber durchaus relevant sein können:

    • Regis24: Ein Berliner Unternehmen, das seit 2003 am Markt ist und sich auf Adress- und Bonitätsinformationen spezialisiert hat. Regis24 hat einen eigenen riesigen Datenpool aufgebaut, mit hunderten Millionen Datensätzen (Adresshistorien etc.) und ungefähr 40 Millionen erfassten Personen. Viele Inkassounternehmen und Versandhändler nutzen Regis24 vor allem zur Identitätsprüfung (stimmt die Adresse? existiert die Person?) und zur Bonitätseinschätzung, falls z.B. bei den großen Auskunfteien keine ausreichenden Infos vorliegen. Regis24 sammelt überwiegend Negativmerkmale, insbesondere Gerichtsdaten und Inkasso-Erfahrungen, und kombiniert sie mit aktuellen Adressdaten. Eine Selbstauskunft kannst du auch bei Regis24 anfordern – es lohnt sich insbesondere dann, wenn du vermutest, dass alte Einträge (z.B. vergessene Rechnungen) irgendwo registriert sein könnten, die bei Schufa & Co. gar nicht auftauchen.
    • Sonstige: Darüber hinaus existieren noch weitere Spezial-Auskunfteien. Zu nennen wäre etwa Dun & Bradstreet (früher Bisnode) für Firmenbonitäten – für Privatleute weniger relevant. creditpass wiederum ist kein eigenes Auskunftei-Datenhaus, sondern ein Dienstleister, der Anfragen an mehrere Auskunfteien bündelt. Es gibt auch Auskunfteien in anderen Ländern (z.B. die österreichische KSV1870), die hier aber nur eine Rolle spielen, wenn du grenzüberschreitend aktiv bist. Wichtig für uns sind vor allem die oben genannten Unternehmen, da sie den Großteil der Bonitätsabfragen in Deutschland abdecken.

    Du merkst schon: Das Feld der Auskunfteien ist vielfältiger, als man dachte. Die meisten Menschen kümmern sich erst darum, wenn irgendwo ein Antrag abgelehnt wird – dann heißt es oft „Bonitätsprüfung nicht bestanden (Schufa oder andere Auskunftei)“. Dann ist die Überraschung groß, dass neben der Schufa noch andere Einträge relevant sein könnten.

    Fazit: Was du über Schufa & Co. mitnehmen solltest

    Du siehst, deine Bonität hängt in Deutschland nicht nur an einer einzigen Datei. Neben der allgegenwärtigen Schufa gibt es mehrere Auskunfteien, die teils genauso eifrig Daten sammeln. Jede hat ihre Besonderheiten. Für dich heißt das: Pflege ein gesundes Misstrauen und Eigeninitiative. Hol dir regelmäßig deine Selbstauskünfte bei allen großen Auskunfteien. So kannst du Fehler finden und beheben lassen. Ein falscher oder veralteter Eintrag kann nämlich im falschen Moment sehr ärgerlich sein – etwa wenn du gerade einen Kredit brauchst oder umziehst.

    Im Zweifel gilt: halte deine Finanzen in Ordnung, bezahle Rechnungen pünktlich und vermeide Negativmerkmale. Dann brauchst du die verschiedenen Scoring-Modelle nicht zu fürchten. Und wenn doch mal etwas schiefläuft, weißt du jetzt, an welche Stellen du dich wenden kannst, um deine Bonität wieder ins rechte Licht zu rücken. Viel Erfolg dabei und bleib zahlungsfähig, mein Freund!

    Quellen: (eine Auswahl der genutzten Referenzen)

    Die Informationen in diesem Artikel stammen aus zuverlässigen Finanzquellen und Ratgebern. Unter anderem diesen:

    Über den Bonitätsguru:

    Seit dem ich ohne jede Erfahrung 2010 mein Haus kaufen wollte, bin ich auf SCHUFA und Boniät aufmerksam geworden. So viele Mythen, Halb- und Unwahrheiten sind im Netz. Bei renomierten und bekannten Personen. Selbst bei Politik, Wirtschaft und Nachrichten wird Bonität immer wieder falsch verstanden. Alles über den SCHUFA-Kamm. Wichtig: Ich bin nicht die SCHUFA. Aber ein Fan von Bonität und Scoring über unsere Landesgrenze hinaus. Fan von Experian, Creditkarma und ja, auch von bonify in Deutschland.